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Echo: 50 Jahre Stuhr - Strukturwandel einer Gemeinde
Allgemeines über die Entwicklung der letzten 50 Jahre bis heute.
Die Gemeinde durchlebt gerade große Veränderungen: Der Marktplatz in Brinkum wird gebaut, aber auch die neue Haltestelle „Marktplatzˮ mit ihren vier Bussteigen und natürlich auch die Wiederherstellung der Straßenbahnlinien 1 und 8 stehen an. Ebenfalls wird an die KGS Moordeich ein Neubau angebaut und ein Schwimmbad soll auf dem Schützenplatz in Brinkum errichtet werden. Von einer ländlichen Gemeinde mit Feldern, Häusern und Höfen, zu einer Gemeinde mit ausgebauten Straßen, Wohnungen und einer höheren Bevölkerungsdichte. So sieht es heute im Vergleich zu damals aus. Aber vor noch nicht allzu langer Zeit, da war es hier noch ein wenig anders: Kühe auf Wiesen vor dem Rathaus. Kann man sich das vorstellen? Aus heutiger Sicht wahrscheinlich eher nicht. Einiges ist passiert und was genau, werden wir euch in diesem Artikel präsentieren.
Die Gemeindereformen von 1974
Seit der Gemeindereform 1974 hat sich die Gemeinde Stuhr stetig entwickelt, sei es sozial, wirtschaftlich oder auch verwaltungstechnisch. Diese Reformen, die bundesweit viele Gemeinden betrafen, setzten kleine Gemeinden mit anderen zu größeren zusammen, um so die „Effizienz der lokalen Verwaltung zu verbessern.” (Stephan Korte, 50-Jahre-Gemeinde.de/Historie) Einige Ortsteile waren vor den Reformen noch kein Teil der Gemeinde Stuhr, sondern eine eigene. Heute bestehen wir aus acht Ortsteilen. Nach der Reform entstanden neue Wohngebiete, aber auch allgemein entwickelte sich die Infrastruktur in der Gemeinde schnell. Grund dafür sei auch die Nähe zur Wirtschafts- und Kulturstadt Bremen gewesen. Laut Bürgermeister Stephan Korte seien vor allem in den 70er- und 80er Jahren viele Menschen auch aus Bremen hierhergezogen, weshalb die Bevölkerung wuchs. Aber auch wirtschaftlich veränderte sich die Gemeinde Stuhr. Viele Firmen aus der Gewerbe- und Industriebranche kamen und siedelten sich hier an, vor allem da die A1 und der Flughafen Bremen in der Nähe waren. Vereine und Verbände sowie kulturelle Veranstaltungen und Freizeitangebote haben die Gemeinde sozial geprägt und entwickelt und tragen zur Lebensqualität der Bürger*innen bei.
Stuhr heutzutage
„Heute ist Stuhr mit ca. 40.000 Einwohnern die 100 stärkste Gemeinde“, so Korte. Die Gemeinde wolle vor allem Stuhr und Brinkum zu Ortskernen gestalten. Sie ist Teil einer großen Mobilitätswende und die Gemeinde hat es sich als Ziel gesetzt, das Leben hier vor allem für Kinder, Jugendliche sowie junge Erwachsene attraktiver zu gestalten. Die Entwicklung kann man aktuell auch mit dem eigenen Auge betrachten: Wie schon zuvor erwähnt, wurde in Brinkum der ZOB abgerissen und zu einem Parkplatz umfunktioniert, der später zu einem Marktplatz werden soll. Dieser soll als ein neuer Treffpunkt für die Bürger*innen der Gemeinde fungieren. Laut dem Bürgermeister sollen dort neue Lokale inklusive einer Eisdiele, einer Buchhandlung, einem Weinladen und auch anderen kleinen Läden entstehen, „(...) um auch abends, einfach mal auf ein Getränk rauszugehen.“
Stand jetzt
Das mexikanische Restaurant zwischen der Syker- und Bassumerstraße wurde geschlossen und das Hotel Bremer Tor sollte im Sommer 2024 abgerissen werden. Das Haus „Bassumer 10“, wofür die Gemeinde 750.000 Euro zur Verfügung stehen hat und was vorerst leer stand, soll renoviert und zu einem kulturellen Treffpunkt umgestaltet werden. Die Räume sollen dann von Vereinen, Initiativen, Organisationen und Bürger*innen genutzt werden und stehen für alle zur freien Verfügung.
Stuhr gegen die Klimakrise
Aber auch mit Ausblick auf die Klimakrise will sich die Gemeinde Stuhr weiterentwickeln. Durch die dichte Bebauung der Gemeinde, gefördert durch Industrie, Verkehr und Flughafen, entstehe viel Lärm und Treibhausgase. Stephan Korte meint: „Dagegen müssen wir etwas tun!“ Öffentlicher Personennahverkehr, wie zum Beispiel die Straßenbahn und Carsharing, Radwege in jedem Ortsteil, Wärmepumpen für die Industrie und Löschwasserteiche sollen dazu beitragen, der Klimakrise entgegenzuwirken und das Pflanzen von Bäumen soll genügend Schatten schaffen und so die Gemeinde abkühlen. Alle diese Maßnahmen sollen laut Herrn Korte in Stuhr integriert und auch gefördert werden. Und wenn wir schon über Abkühlung und die Straßenbahn reden, geht es hier weiter...
Schwimmbad und Straßenbahn Linie 8
Man hört immer wieder Nachrichten von einem Schwimmbad in Brinkum. Doch wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Der Vorschlag für ein Schwimmbad in Stuhr kam schon 2018 von den Grünen aufgrund der hohen Nichtschwimmerquote von Kindern. Außerdem sollte es einen ansprechenden Treffpunkt darstellen und somit die Attraktivität von Stuhr vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene steigern. Nach einer Studie wurde ein Hallenbad für machbar erklärt und 2022 stimmte die Gemeinde zwischen den beiden beliebtesten Standorten für die Einrichtung ab: im Brunnenweg bei der KGS oder auf dem Schützenplatz an der Bassumer Straße. Letztendlich entschied man sich für den Schützenplatz, da dort die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) besser gelingen könne und sich sowohl die Grundschule als auch die KGS in Laufnähe befinden. Der einzige Nachteil sei, dass die Entfernung zum Blockheizkraftwerk (BHKW), von dem das Schwimmbad möglicherweise seine Energie beziehen soll, höher sei. Allerdings ist die Nutzung des BHKW wegen der momentan hohen Energiekosten umstritten, weshalb Bürgermeister Stephan Korte eher für Sonnenenergie plädiert. Generell zog sich die Planung des Schwimmbads aufgrund der aktuellen und vergangenen Krisen in die Länge, weil zum Beispiel während der Corona-Pandemie Gutachten nur schwer durchzuführen waren. Und wann kommt jetzt das Schwimmbad? Das Ziel ist es, das Schwimmbad im Jahr 2026 fertigzustellen. Doch laut dem Bürgermeister wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch diese Deadline nicht eingehalten werden können und das Schwimmbad bleibt auch für die folgenden Jahre nur ein attraktives Konzept.
Kommen wir nun zur Verlängerung der Linie 8, die seit mehr als einem Jahrzehnt diskutierte Straßenbahnanbindung für Stuhr. Die Straßenbahnlinie soll vom Bahnhof Leeste aus über Brinkum bis zum Bremer Hauptbahnhof führen und im 20 Minuten Takt fahren. Sie soll zukünftig eine der bereits erwähnten Anbindungen des Schwimmbads an den ÖPNV darstellen und außerdem Stuhr als Treffpunkt generell attraktiver machen. Hinzu bewirke laut Stephan Korte der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel auch, dass mehr Personen diese, an Stelle von Privatfahrzeugen, nutzen würden und dadurch die Umwelt weniger belastet werde. Doch es gibt auch Kritiker*innen. Der größte Kritikpunkt sei die Lärmbelästigung, doch seit dem 2022 die Verlängerung der Straßenbahnlinie vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg für legitim erklärt wurde, stehe der Linie 8 in Stuhr rechtlich nichts mehr im Weg. Die neueste Entscheidung, die zur Verlängerung der Straßenbahnlinie gefallen ist, war die Finanzierung Ende letzten Jahres. Nun können also Mittel vom Bund beantragt werden. Und wann kommt die Straßenbahnlinie? Die Verlängerung der Linie 8 soll voraussichtlich Mitte 2026 fertiggestellt werden.
Letztendlich kann man nur vermuten, wie diese vielversprechenden Projekte die Zukunft von Stuhr beeinflussen, doch man kann nicht bestreiten, dass sie neue Möglichkeiten für Stuhrer*innen schaffen werden.
Verfasst von: Taris Schlack und Florentine Schmidt



